Fichte oder Lärche?
Für Carport, Terrassenüberdachung und Pavillon sind Fichte und Lärche die beiden gängigsten Bauhölzer. Sie unterscheiden sich vor allem in Witterungsbeständigkeit, Optik, Pflege und Preis.
Fichte: preiswert und vielseitig
Fichte ist als Konstruktionsvollholz (KVH) und Brettschichtholz (BSH) das Standard-Bauholz: gerade, formstabil und günstig. Im Außenbereich braucht Fichte allerdings einen schützenden Anstrich (Lasur oder Deckfarbe), der regelmäßig erneuert werden sollte.
Lärche: von Natur aus witterungsbeständig
Lärche enthält mehr Harz und ist dadurch von Natur aus dauerhafter und widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit. Sie hat eine warme, rötliche Farbe und vergraut unbehandelt mit der Zeit zu einer edlen silbergrauen Patina. Ein Anstrich ist möglich, aber nicht zwingend nötig.
Vergleich auf einen Blick
| Kriterium | Fichte (KVH/BSH) | Lärche |
|---|---|---|
| Preis | günstiger | höher (grob 15 bis 30 % mehr) |
| Witterung | Anstrich nötig | von Natur aus beständiger |
| Optik | hell, neutral | warm-rötlich, vergraut silbrig |
| Pflege | regelmäßiger Anstrich | Anstrich optional |
| Typischer Einsatz | Standard-Konstruktion | sichtbare, exponierte Bauteile |
Dauerhaftigkeitsklassen: die Zahl hinter dem Eindruck
„Witterungsbeständig" ist kein Gefühl, sondern eine Einstufung. DIN EN 350 teilt Hölzer nach ihrer natürlichen Dauerhaftigkeit gegen holzzerstörende Pilze in fünf Klassen ein, von 1 (sehr dauerhaft) bis 5 (nicht dauerhaft). Bewertet wird dabei immer das Kernholz.
| Holzart | Dauerhaftigkeitsklasse (Kern) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Fichte | 4 | kein Farbkern, deshalb keine Trennung von Splint und Kern |
| Kiefer | 3 bis 4 | Splint Klasse 5 und bläueanfällig, dafür gut imprägnierbar |
| Lärche (europäisch) | 3 bis 4 | sehr schmaler Splintanteil |
| Douglasie | 3 bis 4 | nordamerikanische Herkunft eher 3, europäische schwächer |
Der Abstand zwischen Fichte und Lärche ist damit real, aber kleiner, als die Werbung nahelegt: eine Klasse, nicht drei. Für sibirische Lärche kursieren bessere Werte. Die sind mit Vorsicht zu lesen, denn ein europäischer Ringversuch ergab zwischen Prüfinstituten Abweichungen von bis zu vier Klassen an derselben Holzart.
Entscheidend ist das Bauteil, nicht das Bauwerk
Es gibt keine Norm, die „Carport" einstuft. Eingestuft wird jedes Bauteil einzeln, über die Gebrauchsklassen nach DIN EN 335:
- GK 0: unter Dach, unbewittert, Holzfeuchte dauerhaft unter 20 Prozent. Das betrifft die überdachten Sparren und Pfetten.
- GK 3.1: bewittert, kein Erdkontakt, Wasser läuft ab und das Holz trocknet schnell zurück. Das betrifft Stützen mit Bodenabstand.
- GK 3.2: bewittert, mit stehendem Wasser zu rechnen. Das betrifft ungeschützte Hauptträger und Terrassenbeläge.
- GK 4: Erdkontakt oder dauerhafte Schmutzablagerung.
Bei einem Carport liegt der größte Teil des Holzes in GK 0, weil das eigene Dach es schützt. Kritisch sind die Pfosten am Fußpunkt.
Wann Sie auf chemischen Holzschutz verzichten können
DIN 68800-2 gibt dem baulichen Holzschutz Vorrang. Chemischer Schutz soll nur auf das notwendige Mindestmaß beschränkt bleiben. Das ist keine Empfehlung, sondern der Aufbau der Norm.
Für den Carport ist ein Satz entscheidend: Bei eingehaltener Spritzwasserfreiheit darf Farbkernholz von Lärche und Douglasie in GK 3.1 ohne chemischen Holzschutz eingebaut werden. Spritzwasserfrei heißt in der Praxis 30 cm Abstand des Hirnholzes zum Boden, bei einem Kiesbett oder Gitterrost genügen 15 cm.
Damit wird aus der Holzfrage eine Konstruktionsfrage. Ein Pfostenträger, der die Stütze über den Boden hebt, bringt mehr als jede Lasur. Umgekehrt hilft die beste Holzart nichts, wenn das Hirnholz im Spritzwasser steht.
Vergrauen ist kein Schaden
Unbehandeltes Holz vergraut, und zwar unabhängig von der Holzart. Ursache ist der Abbau des Lignins in der obersten Zellschicht durch UV-Strahlung. Die Materialstabilität bleibt davon unberührt, die Tragfähigkeit ebenso.
Einen Haken hat es trotzdem: Unter Dachüberständen vergraut das Holz ungleichmäßig, weil dort weniger Sonne und Regen ankommen. Das Ergebnis ist fleckig, nicht silbrig. Wer die gleichmäßige Patina will, sollte das vorher wissen.
Wer streicht, bleibt dabei. Dünnschichtlasuren halten 3 bis 5 Jahre, Mittelschichtlasuren 4 bis 6 Jahre, deckende Anstriche unter günstigen Bedingungen deutlich länger. Süd- und Wetterseiten brauchen den kürzeren Takt.
Douglasie als dritte Möglichkeit
Douglasie wird selten genannt, gehört aber in die engere Wahl. Sie liegt in derselben Dauerhaftigkeitsklasse wie Lärche und darf unter denselben Bedingungen ohne chemischen Holzschutz bleiben. Preislich lag Konstruktionsvollholz aus Douglasie bei einem Händler zuletzt etwa 40 Prozent über Fichte.
Kiefer geht einen anderen Weg. Sie wird kesseldruckimprägniert, und das funktioniert nur über den Splintanteil, weil das Kernholz sich schlecht tränken lässt. Im Erdkontakt ist das üblich. Im sichtbaren Carportbau ist Kiefer weniger beliebt, weil die Imprägnierung Bläue nicht sicher verhindert.
Welches Holz für welches Projekt?
Fichte lohnt sich, wenn das Budget im Vordergrund steht, die Konstruktion überwiegend geschützt liegt oder ohnehin gestrichen werden soll. Lärche ist die richtige Wahl für sichtbare, stark bewitterte Bauteile und für alle, die möglichst wenig Pflege und eine natürliche Optik wünschen. Beide Holzarten stehen im Konfigurator zur Auswahl, Sie sehen die Wirkung direkt im 3D-Modell.
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